Sascha Bellof ist Fahrer für die Motorsport-Sparte der Landgraf Group

Reportage

Alles dreht sich um die Mamba.

Wie Sascha Bellof mit seinem Actros die Logistik eines Renn-Teams stemmt.


Die vergangenen Tage von Sascha Bellof waren so, wie er sich seinen Job als Fahrer vorgestellt hatte: Er war viel unterwegs. Zum Brot- und Buttergeschäft der Landgraf Group, für die er seinen Actros lenkt, gehört ein Linienverkehr zwischen dem norddeutschen Buxtehude und dem Firmenstandort Gensingen in Rheinhessen. Erst auf die A61, dann auf die A1 bis hoch kurz vor Hamburg, laden und zurück. „So arbeite ich montags bis freitags. Am Wochenende bin ich dann in der Regel daheim in Gießen“, sagt der 45‑Jährige, der den Job bei der Landgraf Group seit 2017 macht.

Doch aktuell ist der Arbeitsalltag von Sascha mehr oder weniger auf den Kopf gestellt. „Aber ich mag die Abwechslung. Ich habe mir das ja ausgesucht“, so der zweifache Familienvater, der jetzt in Richtung eines knallgelben Trailers nickt.


Deutsche GT-Meisterschaften.

Die Landgraf Group geht mit ihrem Motorsport-Team erstmals in der Rennserie ADAC GT Masters an den Start. Saschas Chef ist Tom Herzmann, der gelegentlich selbst noch Lkw fährt. „Ohne die Trucks geht hier bei uns gar nichts“, sagt er.

Saschas Job ist es unter anderem, den Rennwagen im Racetrailer sicher zu den Strecken zu transportieren. „Vor Ort bin ich dann so etwas wie die Feuerwehr. Wo es brennt, fasse ich mit an“, sagt er, während er konzentriert zwischen den beiden Displays der MirrorCam hin- und herblickt. Langsam setzt er den weißen Actros 1851 fürs Aufsatteln zurück.



Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

Seitdem bekannt wurde, dass das Team in diesem Jahr bei der Rennserie dabei ist, liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Für Tests ging es an die Strecke nach Oschersleben, dann nach Zandvoort. Acht Wochen hatte die Mannschaft Zeit, sich auf die Serie vorzubereiten, gearbeitet wurde nahezu rund um die Uhr. Der Aufwand, so scheint es, hat sich gelohnt: Das Auftaktrennen brachte direkt den ersten Sieg.

„In letzter Zeit ist viel passiert. Um alles für so eine Saison auf die Beine zu stellen, braucht es eine Menge Aufwand. Vor allem auch viele gute Nerven“, sagt Sascha, der jetzt bereit ist, den Rennwagen, einen Mercedes‑AMG GT3 Evo in den Renntrailer zu verfrachten. Der V8 hat 405 kW, 650 Newtonmeter und beschleunigt in etwa drei Sekunden von null auf Tempo 100. Innerhalb der Serie heißt der Wagen wegen seiner Lackierung „Mamba“ – deshalb auch der Schriftzug „Mamba inside“ auf dem Trailer.



„Wie cool ist es denn bitte, so ein Auto im Fahrerlager aus dem Trailer zu schieben?“

– Sascha Bellof, Fahrer bei der Landgraf Group


Ein Teammanager mit Tunnelblick.

Was Sascha mit den guten Nerven meint, die derzeit nötig sind, wird gleich mit dem Betreten des Unternehmenssitzes der Landgraf Group klar: Die Stimmung ist angespannt. Hektisches Telefonieren, ein offenbar gestresster Chef-Mechaniker, ein in sich gekehrter Dateningenieur und ein Teammanager, der mit Tunnelblick zwischen Werkstatt in der Ecke der Halle und seinem Büro pendelt. Noch steht der GT3 ohne Seitenteile und Räder da – der Mechaniker montiert gerade den Auspuff.

Sascha verkneift sich die Frage, wann es losgeht, und verschwindet nochmal Richtung Dispo, um über den Linienverkehr in den kommenden Wochen zu sprechen. Viel Zeit hat er nicht, die Motorsport-Sparte der Landgraf Group wird ihn und einen weiteren Fahrerkollegen demnächst ziemlich häufig in Anspruch nehmen. Die Rennen in der Saison 2021 finden auf sieben Strecken stattfinden. Für Sascha ist das eine willkommene Abwechslung.



„Ich selbst bin Kart gefahren“, sagt Sascha, der sich Nachnamen und Heimatstadt mit dem 1985 verunglückten Rennfahrer Stefan Bellof teilt. „Wir sind aber nur ganz entfernt miteinander verwandt. Das Interesse am Motorsport war bei mir jedenfalls einfach immer da.“

Bevor er bei der Landgraf Group anfing, war Sascha bereits als Lkw-Fahrer für Motorsport-Events unterwegs. Der Rennzirkus ist sein Ding. „Ich hab mittlerweile so viele Leute und die verschiedenen Strecken kennengelernt. Außerdem: Wie cool ist es denn bitte, so ein Auto im Fahrerlager aus dem Trailer zu schieben?“

Hineingekommen ist es schon mal, das Team hat aufgeholt. Die Mamba, um die sich hier alles dreht, wiegt rund 1.300 Kilogramm und kostet mehrere Hunderttausend Euro. Sascha fährt sie nun mit dem Actros nach Hockenheim. Tests stehen an, wie auch in der kommenden Woche.



Am Hockenheimring zu Hause.

Für den Weg braucht er kein Navi. Hockenheimring und Nürburgring sind so etwas wie die Heimstrecken des Teams. An den Boxen angekommen wird er von einem satten V8-Sound empfangen. Nebenan testet ein weiteres Team seinen GT3. Sascha grüßt herüber. „Das ist ein vertrautes Geräusch“, sagt er grinsend und macht sich an die Arbeit. Vorm nächsten Rennen gibt es noch viel zu tun.


Fotos: Alex Kraus
Video: Martin Schneider-Lau

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