Ein Tankzug voll Wein – für José Antonio Tagesgeschäft

Reportage

Gute Tropfen aus El Bierzo.

Die Zeit der Weinlese ist für José Antonio Reguero immer wieder etwas Besonderes: Das Farbenspiel der Trauben und die feierliche Stimmung machen ihm Freude – genau wie der Weintransport.

Erstklassige Ernte: Aus den Trauben entsteht ein Wein mit Herkunftsbezeichnung.

Die kurze Wartezeit bis zum Beladen nutzt José Antonio Reguero, um einen Blick auf den Weinberg gleich nebenan zu werfen. „Köstlich! Das wird eine gute Ernte!“ sagt er. „Hier in El Bierzo haben wir ein gutes Weinklima, und der Boden entlang des Flusses Sil ist hervorragend geeignet für die Winzer.“


José interessiert sich sehr für den Weinbau. Die Region El Bierzo liegt im Nordwesten der autonomen Gemeinschaft Kastilien-León und grenzt an Galicien sowie Asturien. Jedes Jahr verfolgt José alles rund um Ernte und Verarbeitung der Trauben.

„Ich kann stundenlang bei der Weinlese zuschauen. Die Farbe der Weinreben und die unterschiedlichen Farbtöne der Trauben faszinieren mich“, schwärmt er.

In der Gegend werden vor allem die weißen Trauben der Sorte Godella und die roten der Sorte Mencía angebaut.


Unzählige Traktoren mit Trauben.

In der Regel steuert José eine Reihe von Genossenschaften in El Bierzo an, um dort zu laden. Mit ihm sind zur Weinlese unzählige Traktoren mit Anhänger auf den Straßen, alle übervoll mit Trauben. Wenn es sich einrichten lässt, nimmt José sich immer Zeit und schaut zu, wie die Beeren maschinell von den Stielen getrennt werden. „Danach werden die Trauben zerdrückt und die Maische entsteht“, erklärt er. Schließlich landet der Most in luftdichten Edelstahlbehältern, in denen bei 27 Grad Celsius die Gärung abläuft. Den fertigen Wein schließlich übernehmen zum Beispiel José und sein Actros. 30 000 Liter fasst der Tankauflieger. Sein Ziel? Frankreich oder Deutschland. So legt er jede Woche mehrere Tausend Kilometer zurück.


„Für mich ist Wein eine Kostbarkeit, die sehr sorgfältig transportiert werden muss.“

– José Antonio Reguera



25 Jahre Erfahrung.

José ist ein alter Hase, wenn es um den Weintransport geht, schließlich ist er schon 25 Jahre im Geschäft. Er kennt die beiden größten Gefahren genau: Oxidation und Verunreinigung. Er öffnet die Füllöffnungen der Tankbehälter. Die Beladung über einen Schlauch erfolgt immer von unten nach oben. Dabei achtet er gewissenhaft darauf, dass die Dichtung zwischen Schlauch und Füllöffnung hermetisch verschlossen ist. So gelangt nur das absolute Minimum an Sauerstoff in den Tank. Anschließend klettert er leichtfüßig die Leiter hinauf auf den Tankwagen: „Ich habe keine Höhenangst“, sagt er. Oben angekommen, wird jeder Tankdeckel geöffnet und wieder dicht verschlossen: Die Beladung läuft so, wie es sein soll.

Dass Josés Tankzug jederzeit blitzsauber ist, von außen wie von innen, ist Ehrensache. Er arbeitet für die Firma Getrabier, wo man großen Wert auf die Einhaltung der Reinigungsprotokolle legt. „Mit den richtigen Hygienemaßnahmen werden alle Verunreinigungen und unangenehme Gerüche vermieden“, versichert José.



Köstlicher Exportschlager.

„Für mich ist Wein eine Kostbarkeit, die sehr sorgfältig transportiert werden muss“, sagt er. „Und die Qualität und Popularität nicht auf Flaschen gezogener Weine steigen von Jahr zu Jahr.“ Um glatte 20 Prozent hat der Export spanischer nicht abgefüllter Weine mit Herkunftsbezeichnung im vergangenen Jahr angezogen.

Aber nicht die ganze Ernte wird ins Ausland transportiert – auch in Spanien wächst die Beliebtheit dieser Weine. Nach der Arbeitswoche fährt José Antonio nach Hause und verbringt die Abende mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Gerne sitzen sie alle auf dem Sofa, während er von der Arbeit erzählt – meist mit einem guten Glas Wein aus El Bierzo in der Hand.


Innen wie außen blitzblank: Darauf legt José bei seinem Actros größten Wert.
Innen wie außen blitzblank: Darauf legt José bei seinem Actros größten Wert.
Läuft bei der Beladung alles wie vorgesehen? Ein Blick durch die geöffneten Tankdeckel gibt Auskunft.
Läuft bei der Beladung alles wie vorgesehen? Ein Blick durch die geöffneten Tankdeckel gibt Auskunft.

Fotos und Video: Begoña Tremps

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