Albert und sein Actros – ein ideales Gespann

Reportage

Alberts Stolz.

In 25 Jahren Fernverkehr ist Albert Motzkun viele Lkw gefahren. Doch keiner hat ihn so beeindruckt wie der neue Actros.


Ein Blick in den Kühlschrank des Fahrerhauses verrät: Hier geht es um Deftiges. Lachsschinken, Prager Schinken und andere Spezialitäten liegen griffbereit. „Die habe ich vom Werksverkauf. Für den Preis sind die sonst nicht zu haben“, sagt Albert Motzkun mit breitem Lächeln und einem Augenzwinkern. Währenddessen verstaut er sein Frühstück, denn in Kürze beginnt die Tour.

Die Borduhr seines Actros 1845 zeigt 2.30 Uhr. Draußen ist es trotzdem fast taghell. Dafür sorgt gleißendes Scheinwerferlicht auf dem Parkplatz der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück, wo Albert heute seine Ladung entgegennimmt. Fast 20 Tonnen Haxen, Oberschalen und Schultern sind in dem Auflieger, den ein Rangierfahrzeug für ihn bereitstellt.

Fertig aufgesattelt – Albert macht es sich auf dem Fahrersitz bequem. Mit dem ersten Handgriff schaltet er das blaue Ambientelicht ein. Dann streicht er mit dem Finger über den Stern auf dem Multifunktionslenkrad. Es ist zu spüren, dass er stolz auf sein neues Fahrzeug ist. Seit 25 Jahren macht er diesen Job, und der neue Actros hat es ihm besonders angetan. „Wenn ich mir zum Beispiel das Fahrerhaus anschaue – es ist durch und durch hochwertig, großzügig und übersichtlich. Jedes Detail ist perfekt.“ Vor über einem Jahr nahm er in Wörth einen der ersten von 180 neuen Actros entgegen, die sein Arbeitgeber Tevex – ein Tochterunternehmen von Tönnies Lebensmittel – bestellt hatte. „Vorher haben wir den Actros natürlich genau getestet und mit anderen Fahrzeugen verglichen.“ Warum die Wahl am Ende auf den Lkw mit dem Stern fiel? „Das hatte sicher etwas mit Wirtschaftlichkeit zu tun. Aber Tevex wollte uns Fahrern auch einen Top-Arbeitsplatz bieten.“

Normalerweise führt die Route den gebürtigen Berliner, der vor 26 Jahren mit seiner Frau nach Ostwestfalen gezogen ist, nach Greifswald, Görlitz oder Kiel. Von Sonntag bis Freitag ist er unterwegs, das Wochenende verbringt er zu Hause. „In der Woche ist der Lkw mein Arbeits-, Wohn-, und Schlafzimmer“, sagt er.


Teamarbeit: Albert und sein Actros – ein ideales Gespann.

Heute ist die Strecke kürzer. Die erste Station ist ein Fleischverarbeiter im 120 Kilometer entfernten Dinklage. Albert biegt vom Werksgelände links auf die Gütersloher Straße ab. Mit kernigem Sound beschleunigt der 40-Tonner. Bei Tempo 65 aktiviert Albert über das rechte Tastenfeld des Multifunktionslenkrads den Tempomat.

Auf der flachen und wenig befahrenen Strecke Richtung Norden gleitet der Sattelzug dahin. „Da bin ich schon ganz andere Touren gefahren“, sagt Albert. Im Januar vergangenen Jahres zum Beispiel nach Rumänien. Nur wenige Wochen, nachdem er seinen neuen Actros übernommen hatte. Eigentlich fahren Spediteure aus Rumänien und Bulgarien diese Route. Aber für die waren die winterlichen Straßen in den Karpaten nicht mehr zu schaffen.

Also schickte der Chef Albert und einen Kollegen mit dem neuen Actros auf den Weg. „Da hat sich der Lkw so was von bewährt!“ Die 2100 Nm Drehmoment des 12,8-Liter-Motors zogen den Sattelzug selbst mit voller Ladung mühelos über die Bergstrecken. Für entspanntes Fahren sorgte auch die Schaltautomatik. „Es ist eine Freude, mit Mercedes PowerShift 3 unterwegs zu sein. Da kann ich mich unter allen Bedingungen auf schnelles Schalten in den richtigen Gang verlassen“, so Albert. Ein beruhigendes Gefühl war es auch, das komplette Sicherheitspaket an Bord zu haben, mit dem die Tevex-Fahrzeuge ausgestattet sind.

Ohne Zwischenfälle geht es nach Dinklage. Bei der Ankunft ist es immer noch dunkel. Nahezu auf der Stelle wendet Albert seinen fünfachsigen Sattelzug und rangiert rückwärts an die Laderampe. Ein Druck auf den Fußhebel, und das Lenkrad lässt sich nach oben schieben. „Beim Aussteigen brauche ich etwas mehr Platz als andere“, sagt der Einmeterneunzigmann und lacht.


Entspanntes Fahren auch bei dichtem Verkehr – die Assistenzsysteme machen es möglich.

Empfangen wird er von einer Mitarbeiterin mit Schutzanzug, Mundschutz und Plastikhaube. Albert lässt sich die Lieferung von 4,6 Tonnen Schweinshaxe quittieren und schlüpft selbst in die „Verkleidung“. „Wir haben es hier mit Lebensmitteln zu tun. Da ist Hygiene das oberste Gebot“, sagt er, während er den Auflieger betritt, um die Fracht vor der Weiterfahrt zu kontrollieren.

Qualität hat bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück höchste Priorität. Ein Teil der geschlachteten Tiere wird gleich verarbeitet. Ob lose hängende Schweinehälften oder fertig verpackte Minutenschnitzel – Albert und seine Kollegen liefern die ganze Bandbreite pünktlich an Großhändler und Fleischverarbeiter in ganz Europa aus. „Die Frische entscheidet. Deshalb dauert es nicht mal einen Tag vom Anliefern der lebenden Tiere bis zum Transport der Ware“, erklärt Albert. Damit bei diesen Mengen alles reibungslos abläuft, setzt Logistiker Tevex auch auf Automatisierung. Am Tönnies-Werk zum Beispiel werden die Fahrer mit einem Computer-Anruf darüber informiert, wenn ihr Auflieger für sie zur Abholung bereitsteht.

Modernste Technik ist auch beim Fahren immer mit dabei. Albert steuert den Actros auf die Autobahn Richtung Norden und lenkt auf der fast leeren Straße nach rechts in Richtung der Fahrbahnmarkierung. Sofort ertönt aus den rechten Lautsprechern das warnende Nagelbandrattern des Spurhalte-Assistenten. „Und wenn der Abstand zum Fahrzeug vor mir zu klein wird, greift der Abstandshalte-Assistent ein – das ist ein echt entspanntes Fahren“, sagt Albert.


Tadellos von innen wie außen: Alberts neuer Actros.

Auch an der nächsten Lieferstelle in Bad Zwischenahn trifft er pünktlich ein – eine gute Gelegenheit für eine längere Pause. „Fast immer nehme ich mir am Sonntag von zu Hause etwas mit. Das wärme ich mir dann mit meinem Gaskocher auf“, sagt der gelernte Maschinenanlagenbauer, der seit acht Jahren für Tevex arbeitet. Bis zum Abliefern ist noch Zeit. Albert vertritt sich die Beine und macht es sich anschließend auf dem unteren Bett bequem, auf dem es sich „fürstlich, trotz meiner Größe“ ruhen lässt.

Die letzte Teilstrecke führt ihn zurück nach Rheda-Wiedenbrück. Festes Ritual nach jeder Schicht: Der Actros muss durch die Waschanlage. „Wir transportieren Lebensmittel. Deshalb ist es wichtig, dass der Lkw einen tadellosen Eindruck macht. Mir kommt das sehr entgegen. Ich fahre selbst viel lieber mit einem sauberen Lkw“, sagt Albert.

Er ist bester Laune. Eine Nachtschicht liegt noch vor ihm, dann geht es vom letzten Kunden direkt nach Haus zu Frau und Tochter – mit seinem Actros. „Ich weiß, man soll seine Arbeit nicht mit nach Hause nehmen“, sagt er und lacht. Aber schließlich ist der Actros schon ein Familienmitglied. „Und mit einem so schicken Lkw kann ich mich auch bei meinen Nachbarn bestens blicken lassen!“