Im neuen Actros eine Woche quer durch Deutschland

Reportage

Leben im Lkw.

Montagfrüh bis Freitagnachmittag im Lkw: Für René Brömelhus ist das Standard. Er mag das Leben auf der Straße – umso mehr, seit er einen neuen Actros fährt.


Hochgezogene Schultern, knöcheltiefe Spuren. René Brömelhus stapft über den leuchtend weißen Speditionshof. Der Wind weht ihm Schneeflocken ins Gesicht und auf die Schildmütze. Die ganze Nacht über hat es geschneit. „Könnte gemütlicher losgehen, meine Arbeitswoche“, sagt er und bemüht sich um ein Grinsen. Die Kälte lähmt die Gesichtsmuskeln. Ob Minusgrade oder Bruthitze: René fährt für die Brun Spedition aus Heiden im Münsterland im bundesweiten Fernverkehr. Meist ist er die ganze Woche auf Achse.

Eine halbe Stunde später, es ist kurz nach acht Uhr. Der 27-Jährige fädelt seinen neuen Actros auf die A31 Richtung Süden ein. Noch immer schneit es. Der Verkehrsfunk ist länger als die Nachrichten. Stau vor Bottrop. Das ist Renés Route, aber so weit muss er nicht. Erstes Ziel ist ein Betrieb im nördlichen Ruhrgebiet, bei dem Altreifen recycelt werden. Die Fracht: weiße Bigbags aus dem Pufferlager der Spedition mit insgesamt 20 Tonnen Granulat zur Weiterverarbeitung.

Beim Recycler gleitet das Tor zur Seite. René fährt im Schritttempo durch grauen Schneematsch, vorbei an einem Areal mit aufgetürmten See-Containern, in denen die Reifen geliefert werden – eine imposante Kulisse. Den 40-Tonner über die abschüssige Rampe ans Ladedock zurücksetzen, den Auflieger öffnen, schon surrt im Lagerhaus der Mann mit dem Stapler heran. Zügig entlädt er die Bigbags und platziert dafür andere auf der Ladefläche. Sie enthalten die fertig produzierte Granulatmischung für die Laufbahn eines Sportplatzes in Herzberg am Harz. Bis zu der Kleinstadt sind es 300 Kilometer. Über die A2 und die A44 fährt René mit dem Lastzug Richtung Osten, die Flocken haben sich in Nieselregen verwandelt.


Montags bis freitags. René Brömelhus aus Gladbeck liebt das Leben im neuen Actros.

Seit 2011 arbeitet der gebürtige Gladbecker für Brun. Die etwa 60 Kollegen transportieren viel Schütt- und Massengut, die Spedition ist als Entsorgungsfachbetrieb zertifiziert. Verschiedenste Lieferungen im Tautliner sind ein weiterer Schwerpunkt. Vielfach mit dabei: Mitnahmestapler für eigenständiges Ent- und Beladen bei den Kunden.

„Ich selbst fahre, was unter die Plane oder in den Schubboden-Auflieger passt, auf immer wieder anderen Strecken“, sagt René. Und seit 2013 eben in einem neuen Actros 1842 mit Euro VI und sämtlichen Sicherheitssystemen. Renés Chef Stefan Böcker hat 15 Exemplare des Lkw gekauft. Insgesamt umfasst die Unternehmensflotte 50 Fahrzeuge. „Der Neue liegt wunderbar auf der Straße und ist enorm laufruhig“, sagt René. „Man kann sich über die Lenkradtasten unheimlich viel auf dem Display anzeigen lassen, und es geht trotzdem ganz einfach. Die Luftfederung der Hinterachse zum Beispiel. Oder auch PPC.“ Predictive Powertrain Control ist der dank GPS und 3-D-Karten vorausschauende Tempomat. So senkt er den ohnehin niedrigen Kraftstoffbedarf des neuen Actros um bis zu weitere drei Prozent. Grund genug für die Brun-Entscheider, alle neuen Fahrzeuge damit ausstatten zu lassen.


Ein Mann und seine Ladung: Die weißen Säcke sind gefüllt mit Granulat für einen Sportplatz.

Bei Kassel wechselt René auf die A7 Richtung Göttingen und steuert ein paar Kilometer weiter einen Parkplatz an. Die ersten viereinhalb Stunden Lenkzeit für heute sind auf der Fahrerkarte, jetzt sind 45 Minuten Pause angesagt. Die Beine vertreten, eine Zigarette rauchen, Schneerückstände von den Scheinwerfern wischen. Gut, dass es gerade weder nieselt noch schneit. Sogar die Sonne zeigt sich zum ersten Mal heute – ziemlich fahl, aber immerhin.

Im BigSpace-Fahrerhaus lässt es sich dennoch bedeutend besser aushalten als davor. „Den Innenraum haben die bei Mercedes-Benz echt gut hingekriegt!“ René lässt den Blick über das Interieur schweifen. „Mit den hellen Oberflächen in Beige hat der neue Actros eine ganz eigene Note bekommen.“ Aber auch ganz praktische Dinge begeistern den Fahrer, sein Komfort-Schwingsitz etwa. „Und zwischen den Sitzen hab ich einen geräumigen Kühlschrank“, sagt René und zieht ihn mit der rechten Hand auf. Brot, Wurst und Käse, Schokolade, Getränkeflaschen, die stehend Platz haben – was man eben braucht, wenn man die ganze Woche auf Achse ist. „Ich hab auch Gaskocher, Töpfe und Wasserkanister dabei, im Staufach außen. Und Dosen mit Eintopf, Spaghetti, Asianudeln. Dauert nicht lang und ist billiger als auf dem Autohof.“


Weiter geht es. Bei Göttingen wechselt René auf die B27. Der Verkehr stockt. Ein Kombi liegt im Straßengraben, der Abschleppwagen blockiert einen Fahrstreifen. Nach eineinhalb Stunden ist Herzberg erreicht. Hier hat es noch mehr geschneit als im Münsterland. Daher tut sich nicht viel auf der Sportplatz-Baustelle, bei der René das Granulat direkt abliefert. Ein Plausch mit dem Stapler-Fahrer, dann wird Bigbag um Bigbag abgeladen.

„Man muss sich mit den Leuten, bei denen man lädt, gut verstehen. Dann klappt alles viel reibungsloser“, sagt René, wieder auf der Autobahn. Seinen Lkw-Führerschein hat er bei der Bundeswehr gemacht. Schon dort ist er Lkw von Mercedes-Benz gefahren: einen 1017, später einen Axor. Mit der Erfahrung wuchs der Spaß an der Arbeit hinterm Steuer. Noch vor Ablauf seiner vier Jahre als Zeitsoldat stand der Entschluss fest, zu einer Spedition zu wechseln.


Gut 120 Kilometer auf derselben Route zurück, bis zum Logistikzentrum einer Supermarktkette in Breuna bei Kassel. Wieder bekommt René eine Komplettladung in den Tautliner: Paletten mit Lebensmitteln. Die Ware ist für zwei kleinere Logistikzentren des Kunden im westlichen Ruhrgebiet bestimmt. Bis dorthin schafft René es heute nicht mehr. Freie Fahrt vorausgesetzt wird er die Nacht auf einer Rastanlage bei Soest verbringen. „Ich kann eben nur machen, was die Verkehrslage und die Verkehrsregeln zulassen. Aber damit habe ich kein Problem.“ Das gilt auch für die vielen Nächte im Lkw. Daran sei er seit der Bundeswehrzeit gewöhnt. „Außerdem habe ich im neuen Actros ja ein sehr komfortables Bett.“

Seine weiteren Ziele für diese Woche kennt René noch nicht. Am nächsten Vormittag wird er erfahren: Es geht erst einmal über das Brun-Lager in Heiden nach Schwarzenbach an der Saale – mit Filtern und weiterem Material für eine Gießerei. Das sind über 600 Kilometer. „Üblicherweise melde ich mich beim Disponenten, sobald ich den Lkw leer habe und kriege dann meine nächste Tour. Das hält die Sache spannend.“

Außerdem hilft die Vorfreude aufs Wochenende dabei, die Motivation hochzuhalten. „Samstags bin ich mit dem Mountainbike unterwegs, und natürlich mit meiner Frau und dem Hund.“ Und dann hat er noch ein Hobby, bei dem er besonders gut abschalten kann: Modellbau. „Ich brauch das, mich ab und zu mit der Pinzette hinzusetzen.“ Woran bastelt er denn? „Ist doch klar“, sagt der Fernfahrer und lacht: „an Lkw!“

www.brun-spedition.de

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