Active Brake Assist 3 in der Praxis

Fahrzeug & Technik

Helfer, nicht Herrscher.

Aktive Sicherheitssysteme wie Active Brake Assist 3 helfen dabei, Unfälle zu vermeiden oder die Unfallschwere zu vermindern. Trotzdem bleibt der Fahrer immer Herr der Situation. Tipps von ProfiTrainer Peter Bodenseh.

ProfiTrainer Peter Bodenseh. (links)
 

Kann ein Lkw-Fahrer neun bis zehn Stunden hoch konzentriert unterwegs sein? Oder im Schichtbetrieb zu jeder Tages- und Nachtzeit beste Reaktionen zeigen? Wohl kaum. Es gibt immer Phasen, in denen man sich in einem Leistungstief befindet.

Etwa ein Drittel aller Lkw-Unfälle sind Auffahrunfälle. 40 Prozent davon passieren völlig ungebremst. Mercedes-Benz hat sich zum Ziel gesetzt, mit aktiven Sicherheitssystemen zu helfen, Unfälle zu vermeiden oder die Unfallschwere zu mindern.

Active Brake Assist 3 (ABA 3) wurde speziell für Autobahnen und autobahnähnliche Straßen entwickelt, weil dort die Gefahr durch monotones Fahren besonders hoch ist. Trotzdem kann es vereinzelt zu Warnungen kommen, obwohl kein Auffahrunfall droht. Auslöser sind dann Schilder, Baken oder Brücken, deren Radarecho das System zunächst als stehendes Hindernis wahrnimmt. Diese Situationen wurden technisch auf ein Minimum reduziert. Sollte es dennoch dazu kommen, ist der Fahrer in seinen Handlungsmöglichkeiten in keiner Weise beeinträchtigt. Er kann den dreistufigen Eingriff des Systems jederzeit abbrechen.

Bei Warnstufe 1 wird mit optischen und akustischen Signalen auf eine Gefahr hingewiesen. Sobald der Fahrer bremst, Gas gibt, den Blinker betätigt oder lenkt und ausweicht, erlischt die Warnung. Sie erlischt natürlich auch, wenn das System erkannt hat, dass sich kein anderer Verkehrsteilnehmer auf der Straße befindet. Reagiert der Fahrer nicht auf die Warnung, erfolgt unmittelbar danach Warnstufe 2, eine automatische Teilbremsung. Auch jetzt noch sorgen Bremsen, Gasgeben, Blinkerbetätigung oder Lenken und Ausweichen für einen Abbruch.

Reagiert der Fahrer auch auf diese Information nicht, kommt es zu Warnstufe 3. Dann leitet ABA 3 selbstständig eine Notbremsung ein. Doch auch jetzt können Fahrer noch reagieren und die Notbremsung vermeiden, indem sie entweder das Fahrpedal voll durchtreten (Kickdown) oder den Schalter „ABA-off“ in der Schaltertafel betätigen. Eingriffsmöglichkeiten und Praxisbeispiele sind in der Bedienungsanleitung beschrieben.

Fahrassistenzsysteme bieten ein Höchstmaß an Sicherheit. Trotzdem ist ABA 3 nur ein Hilfsmittel. Die Verantwortung für Sicherheitsabstand, Geschwindigkeit, rechtzeitiges Bremsen und das Beachten der Witterungs- und Fahrbahnverhältnisse liegt beim Fahrer! Nur vorausschauendes, defensives und aufmerksames Fahren in Kombination mit Active Brake Assist 3 kann die Unfallschwere vermindern und im günstigsten Fall ein Auffahren vermeiden.