Der Actros Volumer – drei Meter Ladehöhe

Reportage

Drei gewinnt.

Fahrräder sind nicht schwer, aber sperrig. Smbat Garanyan nimmt’s gelassen. Sein Actros Volumer punktet mit drei Meter Höhe im Trailer-Innenraum.


Gefühlt geht’s ab der Weser ständig bergauf. Der erste Teil von Smbat Garanyans Fahrt nach dem Einfädeln auf die A2 in Bad Oeynhausen führt direkt in die nördlichen Höhenlagen des Weserberglands. Vor ihm kämpfen zwei weniger gut motorisierte Hängerzüge an der Steigung. Ein Blick in den Rückspiegel, Blinker links, raus auf die mittlere Spur. „Das ist ganz schön blöd hier auf den 70 Kilometern bis Hannover. Dichter Verkehr, Steigungen, Gefälle, im Winter oft Schnee und Glatteis – das ist typisch“, sagt der 45-Jährige. Doch an diesem Freitagmorgen läuft alles wie am Schnürchen. Smbat (sprich Simbat) freut sich. Seine heutige Tour führt ihn nach Kiel. Doch der Ostuferhafen ist nur Zwischenziel für den Trailerwechsel. Danach geht es ab nach Hause ins brandenburgische Lehnin, wo der gebürtige Armenier seit etwa 20 Jahren mit seiner Familie wohnt. „Die Dispo regelt das immer so, dass ich am Freitag nach dem letzten Kunden mit dem Lkw nach Hause fahren kann“, sagt er.

Gestartet ist er auf dem Gelände der Panther International GmbH in Löhne, Westfalen. 2010 ging sein Arbeitgeber Panther Transport aus dem Werkverkehr des Fahrradherstellers hervor. Die starken saisonalen Schwankungen und das ungleiche Frachtaufkommen – die Fertigungsstätten in Litauen, Tschechien und Bulgarien werden überwiegend per Container mit Material beliefert – machten eine Öffnung auch für andere Kunden zu einem riesigen Vorteil. Trotzdem ist der Transport von Fahrrädern nach wie vor sehr wichtig für das Unternehmen. Smbat und seine Kollegen liefern sämtliche Räder aus, die bei Panther produziert werden. Das sind immerhin bis zu einer halben Million pro Jahr.

Ein Großteil davon fällt zwischen Mitte Februar und Juni an, wenn mit den Temperaturen auch die Lust aufs Radfahren steigt. „Dann wollen viele ein neues, schickes Fahrrad haben“, sagt Smbat. Seine Kollegen und er sorgen dafür, dass die Räder schnellstmöglich in die Geschäfte kommen. „In der Hauptsaison haben wir bis zu acht Kunden am Tag, meist Großhändler“, sagt er.

Um dieses extrem hohe Aufkommen zu bewältigen, setzt Panther Transport auf den neuen Actros Volumer. Dessen niedrige Aufsattelhöhe vergrößert die Ladehöhe auf drei Meter, ohne dass die Gesamtfahrzeughöhe von vier Metern überschritten wird.

Warum diese zusätzlichen Zentimeter so wichtig sind, verrät ein Blick in den Auflieger eines Kollegen an der Laderampe: Immer zwei Reihen von jeweils 14 Fahrrädern passen, mit mehreren Lagen Pappe getrennt, übereinander. Darüber legen die Kollegen des Lagers noch einmal fünf Fahrräder quer und nutzen so den kompletten Raum bis unter das Dach des Aufliegers aus. „Die fünf zusätzlichen Fahrräder könnten wir mit einem normalen Lkw nicht mitnehmen“, sagt Smbat. Der Extra-Platz rechnet sich also: In den Actros Volumer passen 230 Fahrräder – 35 mehr als in einen normalen Lkw. Fünf Niedrigrahmen-Sattelzüge können damit genauso viele Fahrräder aufnehmen wie sechs herkömmliche.

Smbat schiebt die Plane seines Aufliegers zur Seite. Ein kalter Wind weht ihm ins Gesicht. Das Wetter macht eigentlich noch keine Lust auf Fahrradfahren. „Wir haben trotzdem genug zu tun“, sagt er. Er nimmt die Alulatten ab und schiebt die vorderste Runge nach hinten. Dann pumpt er das Aufliegerdach nach oben. Jetzt hat der Kollege im Gabelstapler genug Platz, um den Dreierstapel Gitterboxen abzusetzen. „Das sind Teile für die Fahrradproduktion. Die sind für das Werk in Litauen“, sagt Smbat. Ein Drittel des Aufliegers wird mit Gitterboxen beladen. Den restlichen Platz füllt Industrieware – gerade sind es Rollen mit Lebensmittelfolie. „Wir nehmen auch andere Aufträge an. Wir fahren Getränke, Möbel, Maschinen – eben alles, was in unseren Auflieger passt“, sagt Smbat. Ihm ist ohnehin jede Ware recht. „Ich merke keinen Nachteil gegenüber anderen Lkw, trotz der kleineren Räder. Und der Chef ist auch zufrieden, weil der Verbrauch einfach passt“, sagt er.


Trailerwechsel in Kiel – dann geht es Richtung Brandenburg.

Der wichtigste Vorteil der Actros Volumer-Sattelzüge ist aber die Flexibilität durch die große Innenhöhe. „So haben wir immer genug Aufträge“, sagt Smbat, der genau weiß, wie wichtig ein sicherer Arbeitsplatz ist. Mitte der 90er-Jahre kam er nach Deutschland, weil es in seiner Heimat schlecht bestellt war um Jobs. Zunächst machte er sich als Transportunternehmer selbstständig und belieferte Baustellen, ein hartes Geschäft. Dann kam 2005 das Angebot von Panther. „Das war ein echter Glücksfall“, so der Vater zweier Kinder. Und zwar nicht nur wegen der Sicherheit und der Wochenenden bei der Familie. „Panther achtet darauf, dass sich die Fahrer wohlfühlen“, sagt Smbat. So verfügen alle Actros Volumer über das GigaSpace­Fahrerhaus mit 2,13 Meter Innenhöhe und eine Standklimaanlage. „Das ist wie eine eigene Wohnung“, sagt Smbat und wechselt auf den Stufen zum Fahrerhaus die Schuhe. „Halt wie zu Hause“, sagt er und muss lachen.

Den Weg nach Kiel kennt er auswendig. Denn die Route gehört zu den wichtigsten von Panther Transport. Sämtliche Fahrräder aus dem litauischen Werk, die für Westdeutschland, die Benelux-Staaten und Frankreich bestimmt sind, werden über diese Strecke transportiert. „Die Auflieger pendeln zwischen Kiel und Litauen per Fähre – ohne Zugmaschine und Fahrer. Wir holen sie vom Hafen ab und bringen die Fahrräder zu den Kunden“, sagt er. Fahrräder für die östlichen Bundesländer, Österreich, die Schweiz und Italien werden über Polen auf dem Landweg transportiert. Dabei kommen ebenfalls auf hohes Volumen ausgelegte Niedrigrahmen-Motorwagen und kurz gekuppelte Anhänger zum Einsatz.

Es ist noch früh im Jahr, die Tage sind kurz. In der Dämmerung erreicht Smbat den Hafen von Kiel. Er stellt den Auflieger für Litauen auf dem Gelände des Ostuferhafens ab und muss nicht lange nach seinem neuen Trailer suchen – der Panther auf der Seitenplane springt ihm quasi entgegen. Und jetzt ab Richtung Heimat! Diesmal ist sein Auflieger nicht mit Fahrrädern beladen, sondern leer. „Den bringe ich noch zu einem Kunden in Brandenburg. Am Montag hole ich ihn dann voll beladen wieder ab“, sagt Smbat.

Die Vorfreude steigt. Vielleicht kocht seine Frau wieder sein Lieblingsgericht: armenische Dolma, eine Art Rouladen mit Weinblättern. Und was macht er am liebsten in seiner Freizeit? „Wann immer es geht, sind wir mit dem Fahrrad unterwegs“, sagt er. „Aber ein bisschen wärmer darf es dafür gern werden!“

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