Nass-Transporte: Experten für sperrige Lasten wie ein Fertighaus

Wirtschaft & Logistik

Vier Wände vom Actros.

Jedes sechste neue Einfamilienhaus in Deutschland ist ein Fertighaus – Tendenz steigend. Gute Aussichten also für Nass aus Emmelshausen, die Experten für sperrige Ladung. Das Firmenmotto „Fahren Sie mit!“ nahm „Mercedes-Benz Transport“ wörtlich und begleitete ein Fertighaus auf seinem Weg vom Hunsrück nach Rheinhessen.

75 Fertighäuser pro Woche liefern die Actros von Nass-Transporte allein für einen Hersteller aus.

Nur wenige Trucker liefern Träume aus. Wilhelm Heinz ist einer von ihnen. Auf seinem Trailer fährt mehrmals pro Woche der Traum von den eigenen vier Wänden durch die Republik. Heute geht es für den 38-Jährigen mit einem Obergeschoss auf der Ladefläche seines Actros von Simmern im Hunsrück nach Gumbsheim in Rheinhessen. Bauherr ist Alexander Maul. So wie er entscheiden sich jedes Jahr rund 9.000 Bundesbürger für ein Fertighaus. Etwa jedes sechste neue Einfamilienhaus in Deutschland entsteht bereits in dieser Bauweise. Tendenz steigend. Lkw-Fahrer Wilhelm Heinz gehört zum Team von Nass-Transporte. Das Unternehmen bietet überwiegend Fuhren mit offenen Trailern an. Spezialisiert hat sich Nass auf die Logistik von Fertighäusern und Baufertigteilen. Transportiert werden aber auch riesige Stahlbleche, schwere Maschinen, große Baugeräte, kurz: alle Güter, die für den offenen Ladungsbereich geeignet sind.

„Insgesamt wickeln wir mehr als 25.000 Touren pro Jahr ab“, erklärt Geschäftsführer Michael Nass. „Allein für die DFH Deutsche Fertighaus Holding AG, Deutschlands größten Fertighaushersteller, transportieren wir rund 75 Fertighäuser pro Woche.“



Der 46-Jährige stammt aus Emmelshausen im Vorderhunsrück. Er leitet Nass-Transporte in dritter Generation. Den Grundstein für den Erfolg der Firma legte 1953 sein Großvater Rudolf Nass, mit der Gründung eines kleinen Holztransportunternehmens. Richtig Fahrt nahmen die Geschäfte aber in den letzten 15 Jahren auf. Hauptgrund: die Konzentration auf Nischen mit hohen Transportanforderungen. Heute beschäftigt Nass-Transporte über 100 Mitarbeiter. Der Fuhrpark besteht aus 80 ziehenden Einheiten – allesamt Actros-Zugmaschinen mit niedriger Aufsattelhöhe – sowie rund 100 Aufliegern und 200 speziellen Verladeflats für die Fertighausindustrie.

„Fahren Sie mit!“, lautet das Firmenmotto. Michael Nass versteht das auch als Botschaft an die Mitarbeiter: „Gerade bei diffizilen Transporten kommt es ganz besonders auf das Fahrpersonal an. Bei der Ladungssicherung und dem Rangieren in engen Wohngebieten braucht man einfach erfahrene Leute.“ Um sie im Unternehmen zu halten, lässt sich Nass einiges einfallen. Zu den Maßnahmen zählen neben der obligatorischen Festanstellung mit leistungsgerechter Bezahlung und festgelegter Gehaltsdynamik ein umfassendes Versicherungspaket für alle Beschäftigten sowie die Bereitstellung von Firmenkleidung. Dem gelernten Kaufmann ist es darüber hinaus ein besonderes Anliegen, den Arbeitsplatz seines fahrenden Personals so sicher und angenehm wie möglich zu gestalten.



Auf die Mitarbeiter kommt es an.

„Wir setzen ausnahmslos moderne Actros Sattelzugmaschinen mit dem Safety Pack Top und geräumigen Big-Space-Fahrerhäusern ein“, sagt Michael Nass. „Um für unsere Fahrer den Komfort weiter zu erhöhen, sind alle Trucks mit dem vorausschauenden Tempomat Predictive Powertrain Control ausgestattet.“ Ein Indiz dafür, dass seine Bemühungen Früchte tragen, ist die geringe Fluktuationsquote und die lange Betriebszugehörigkeit der meisten Mitarbeiter.

Wilhelm Heinz fährt seit mehr als sieben Jahren bei Nass mit. Was ihm an seinem Arbeitsplatz, einem blauen Actros 1845, am besten gefällt? „Ganz klar, meine ,Kuschelecke‘: der urgemütliche Sessel auf der Beifahrerseite! Ganz besonders dann, wenn der Wind zu heftig bläst und wir auf den Baustellen ungeplant Zeit totschlagen müssen, bis der Kran wieder bewegt werden darf.“ Lange warten muss Wilhelm Heinz heute Morgen allerdings nicht. In weniger als einer Minute bugsiert ein Stapler im Werk der DFH in Simmern das auf einem Flat fixierte Obergeschoss eines Fertighauses auf seinen Trailer. Nachdem er die Ladung gewissenhaft gesichert hat, geht es auf den Weg zum Kunden. „Da drin ist die letzte Ladung für ein Haus bestehend aus drei Transportpaketen“, erklärt Heinz. „Die größten auszuliefernden Häuser bestehen aus bis zu elf Paketen. Das sind schon ordentliche Villen. Zuverlässigkeit ist in unserem Geschäft besonders wichtig, denn der Aufbau der Häuser ist straff getaktet.“


Feste Route. Wegen überhoher Ladung sind die 80 Actros von Nass meist an definierte Routen gebunden.

Von Simmern fährt der Transport gut eine Stunde entlang malerischer Weinberge bis zur Baustelle im rheinhessischen Gumbsheim. Zehn Minuten vor dem vereinbarten Termin biegt Wilhelm Heinz mit seinem Gespann in das Neubaugebiet am Ortsrand ein. Gute Dienste leistet dabei die ferngesteuerte Funklenkachse. Erwartet werden sie vom Bauherrn und dem fünfköpfigen Aufbauteam der DFH samt Kran. Am Morgen ist auf der Fundamentplatte das Erdgeschoss entstanden. Jetzt, am frühen Nachmittag, entlädt die Truppe vorsichtig das Obergeschoss. Nach rund einer Stunde ist der Trailer leer und alle Fertigteile des Hauses sind verbaut.

„Jetzt fehlt nur noch das Dach“, sagt Wilhelm Heinz. „Gigantisch, wenn man bedenkt, dass da, wo jetzt das fertige Einfamilienhaus steht, heute Morgen nur eine Betonplatte war.“ Weil immer mehr Bundesbürger, so wie Alexander Maul, die Vorzüge von Fertighäusern schätzen, blickt auch Geschäftsführer Michael Nass optimistisch in die Zukunft: „Bereits im Frühjahr werden wir unseren Fuhrpark auf 90 Sattelzugmaschinen erweitert haben. Für 2018 ist die Expansion auf mehr als 100 ziehende Einheiten und die Aufstockung des Trailerpools auf 130 Auflieger geplant. Was die zu beschaffenden Zugmaschinen angeht, gibt es einen klaren Favoriten: den Actros. Da fahren alle mit!“


Mit Schwung. Wilhelm Heinz sichert die Fertighaus­elemente mit mehreren Spanngurten.
Mit Schwung. Wilhelm Heinz sichert die Fertighaus­elemente mit mehreren Spanngurten.
Schnell montiert. Ein Kran hebt die Wände samt verbauten Fenstern von der Ladefläche. Die Montage durch das fünfköpfige Baustellenteam dauert pro Teil nur wenige Minuten.
Schnell montiert. Ein Kran hebt die Wände samt verbauten Fenstern von der Ladefläche. Die Montage durch das fünfköpfige Baustellenteam dauert pro Teil nur wenige Minuten.

Fotos: Alex Kraus