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Lebensmittellogistik: Böhmer setzt auf den Actros

Wirtschaft & Logistik

Kartoffeln – Selbst gezogen!

Seit fünf Jahren betreibt Kartoffelspezialist Böhmer aus Mönchengladbach seine eigene Spedition. Die Actros-Flotte sieht prima aus und rechnet sich.

Seine Welt ist das Feld. Mit 40 Actros 1845 bringt Böhmer Transport aus Mönchengladbach Kartoffeln und Zwiebeln sowie Obst und Gemüse in die Zentrallager des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Wenn es schnell gehen muss, wird die Ware auch direkt beim Erzeuger abgeholt.
Seine Welt ist das Feld. Mit 40 Actros 1845 bringt Böhmer Transport aus Mönchengladbach Kartoffeln und Zwiebeln sowie Obst und Gemüse in die Zentrallager des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Wenn es schnell gehen muss, wird die Ware auch direkt beim Erzeuger abgeholt.

Sinnlich im raffinierten Spiel von Licht und Schatten dampfend, überdimensional groß und edel auf schwarzes Holz gedruckt – so verlockend empfängt eine Kartoffel die Besucher im Hauptquartier der Hans Willi Böhmer Verpackung und Vertrieb GmbH & Co. KG bei Mönchengladbach. Wer durch die stilsicher mit Premium-Materialien ausgestatteten Flure geht, spürt: Bei Kartoffel-Böhmer, wie das Unternehmen landläufig genannt wird, arbeitet man hoch professionalisiert: „In der Vermarktung von Kartoffeln und Zwiebeln steckt inzwischen so viel Know-how und stark spezialisierte Technik, dass wir das auch nach außen tragen wollen“, erklärt Frank Zimmermann, Geschäftsführer der Unternehmenstochter Böhmer Transport.


Der Premiumanspruch an die eigene Ware soll sich widerspiegeln in der Ausstattung der fünf deutschen Standorte, im innovativen Marketing, aber auch im 42 Lkw starken Fuhrpark, der hauptsächlich mit Actros bestückt ist. Wie ernst Böhmer sein Anliegen ist, zeigte sich 2010. Bis dahin hatte das Unternehmen alle Transportaufgaben an Dienstleister vergeben. Fortan setzte man mit der Böhmer Transport GmbH auf eine eigene Spedition, um mit einer strahlenden Actros-Flotte das Obst und Gemüse selbst auszuliefern. „Wir wollten das Firmenimage auch mithilfe optisch ansprechender Fahrzeuge stärken“, erinnert sich Zimmermann. Zudem sollte den Kunden ein Rundum-sorglos-Paket geboten werden, mit allen Dienstleistungen aus einer Hand. „Deshalb haben wir beschlossen, wir probieren es einfach aus.“ Nach der Testphase mit drei eigenen Actros wuchs die Flotte innerhalb von fünf Jahren auf 42 Fahrzeuge, fast ausnahmslos Actros 1845.

Das Konzept ging auf: „Wir waren plötzlich nicht nur mit unseren Fahrzeugen im Böhmer-Design auf den Straßen präsent, sondern haben seitdem viel besseren Zugriff auf die gesamte Prozesskette, was auch die Wirtschaftlichkeit nachhaltig positiv beeinflusst“, fasst Zimmermann zusammen. Mit Blick auf die Fahrer legt die Böhmer Transport GmbH größten Wert auf eine komfortable Ausstattung sowie ein hochwertiges Sicherheitsequipment der Fahrzeuge. „Alle Lkw – die meisten davon mit GigaSpace-Fahrerhaus – haben die Komplettausstattung mit Standklimaanlage und allen Sicherheitssystemen mit Active Brake Assist 3, Abstandshalte-Assistent und Spurhalte­Assistent. Die Sicherheit auf der Straße ist uns wichtig, und diesen Aspekt erfüllt der Actros hervorragend. Somit schaffen wir einen Anreiz, um die Leistungsbereitschaft der Fahrer zu stärken, auch an Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten, damit die Kartoffeln und Zwiebeln zu Wochenbeginn wieder in den Supermarktregalen liegen.“


Makellos und appetitlich. Die Verpackungsanlage in Mönchengladbach ist hochautomatisiert – jede Kartoffel wird kontrolliert und auf das richtige Förderband geschickt.
Makellos und appetitlich. Die Verpackungsanlage in Mönchengladbach ist hochautomatisiert – jede Kartoffel wird kontrolliert und auf das richtige Förderband geschickt.

Einer, der das zu schätzen weiß, ist Peter Müller – seit zwei Jahren ist der 58-Jährige Fahrer bei Böhmer Transport: „Es ist schon eine besondere Freude, solche Fahrzeuge nutzen zu können. Vor allem der Abstandshalte-Assistent macht die Arbeit viel leichter“, sagt Müller. Und das ist wichtig. Denn bei Böhmer gibt es jede Menge zu tun. Allein etwa 380 000 Tonnen Kartoffeln und Zwiebeln liefert das Unternehmen aus seinen Standorten in Mönchengladbach, Südergellersen in der Lüneburger Heide, dem pfälzischen Dannstadt, Adersleben in der Magdeburger Börde und Unterschleißheim bei München aus.

Hervorgegangen aus dem Betrieb, den Johann Müller 1928 in Giesenkirchen gegründet hatte, stellte Hans Willi Böhmer in den 1990er-Jahren die Weichen zum Großunternehmen, das als Bindeglied zwischen Landwirtschaft und den Verbrauchermärkten agiert. Heute verpackt und liefert Böhmer sowohl für den konventionellen als auch für den Bio-Sektor Kartoffeln und Zwiebeln sowie Obst und Gemüse – quasi für den gesamten deutschen Lebensmitteleinzelhandel, von Rewe über Metro bis hin zu Aldi, Penny und Netto. Und hier hat jeder seine Vorlieben: „Manche Kunden wollen die Ware schon morgens“, erklärt Müller, als er früh um fünf seinen Actros das erste Mal an die Böhmer-Verladerampe rangiert.

Dahinter herrscht bereits reger Betrieb. Die von den Landwirten aus der Region angelieferten Kartoffeln werden maschinell gewaschen, bevor sie auf die Förderbänder der verschiedenen Sortieranlagen geschickt werden. Am Standort Mönchengladbach betreibt Böhmer ein eigenes Bio-Logistikzentrum mit Packstation für Bio-Kartoffeln und Zwiebeln sowie Bio-Obst und -Gemüse. Die Technologie ist einzigartig in Deutschland. 36 Kameras erfassen jede einzelne Knolle und liefern ein digitales Rundumbild der Kartoffel. Anhand dieser Bilder wird die Kartoffel in die verschiedenen Verpackungsgassen sortiert. Abschließend lesen Mitarbeiterinnen per Hand Kartoffeln aus, die optisch nicht den hohen Ansprüchen der Kunden genügen.



Gerade das makellose, appetitliche Aussehen der Knollen ist heute wichtiger denn je: „Viele Kartoffeln wären absolut zum Verzehr geeignet, werden aber wegen kleiner optischer Fehler aussortiert“, erklärt Zimmermann. Nur wenn die Ware auch top aussieht, geht sie an die Supermärkte. Denn der Markt für die klassische Speisekartoffel ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend härter geworden. Inzwischen muss sich die ehemals unverzichtbare Sättigungsbeilage auf dem Markt gegen Reis und Nudeln durchsetzen. Zusätzlich wählen immer mehr Endverbraucher Convenience-, also Kartoffelfertigprodukte, wie Pommes Frites oder Kroketten, was den Absatz der normalen Speisekartoffel weiter verringert. „Eines unserer Ziele ist“, so Zimmermann, „bei den Verbrauchern das Bewusstein für die Kartoffel zu wecken und die Wertschätzung für die Knolle zu steigern.“

Auch Peter Müller erfüllt ein gewisser Stolz, wenn er mit seinem Actros 1845 die Böhmer Speisekartoffeln zu den Zentrallagern der Kunden bringt. Als Müller mit dem Abladen fertig ist, verrät er uns noch einen kulinarischen Tipp: Er nimmt uns mit zu einem bayerischen Wirtshaus vor den Toren Mönchengladbachs. Schwenkkartoffeln, Bratkartoffeln, Petersilienkartoffeln, Kartoffelsuppe … Die Speisekarte ist voll mit den besten Knollengerichten. Müller wählt den Tafelspitz mit Schwenkkartoffeln. „Wunderbar, oder?“, fragt er schließlich, bevor er zur dritten Tour des Tages aufbricht.

Fotos: Michael Neuhaus

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