Wechselbrückenverkehre mit dem Actros bei Hörndl

Wirtschaft & Logistik

Der Frachter aus Bayern.

Als er startete, hatte Hubert Hörndl zwei Lkw. Heute fahren 216 Lkw in seiner Flotte, davon 75 neue Actros. Für die Aufgaben seines Unternehmens im Fernverkehr sind moderne Fahrzeuge entscheidend.


Der Schreibtisch ist gewaltig, aber leer. Pokale eines bayerischen Unternehmerwettbewerbs schmücken das Büro von Hubert Hörndl im ersten Stock des Firmengebäudes. Die Ordnung im Raum hat ihren Grund: „Hier arbeite ich fast nie“, sagt der 46-Jährige, der sich dann doch hinsetzt, um über ein paar Papiere zu schauen. „Das Büro nutze ich für wichtige Besuche von Kunden oder von Banken. Meistens arbeite ich unten, da spielt die Musik.“

Unten, im Erdgeschoss, sitzen die kaufmännischen Mitarbeiter der Hörndl Transporte GmbH, tippen Aufträge in die Rechner und telefonieren mit Kunden und Fahrern. Glasscheiben trennen ein kleines Büro ab – der eigentliche Arbeitsplatz von Hubert Hörndl. Die Tür steht offen. „So bin ich immer mittendrin.“ Er nimmt einen der Lkw-Schlüssel mit dem Stern vom Schlüsselbrett und marschiert Richtung Ausgang. Auf dem Parkplatz steht einer seiner 75 neuen Actros.

20 kaufmännische Angestellte arbeiten für das Unternehmen in Forstinning bei München. 330 Fahrer sitzen für Hubert Hörndl hinterm Lenkrad. Seit Generationen ist die Firma des 46-Jährigen ein Familienbetrieb. Über Jahrzehnte blieb sie beschaulich, der Fuhrpark übersichtlich. Als Hubert Hörndl 1988 nach dem Tod seines Vaters mit 19 Jahren die Geschäfte übernahm, standen genau zwei Lkw auf dem Hof. Er brach seine Ausbildung in einer Münchener Spedition ab und beendete sie im Betrieb der Familie. „Ich habe damals gleichzeitig den Lkw-Führerschein gemacht, es musste ja weitergehen.“

Es ging nicht nur weiter, er machte den Betrieb zu einem mittelständischen Logistikdienstleister für Transporte aller Art. Ins Unternehmen integrierte er eine Werkstatt, eine Tankstelle, eine Waschanlage und einen Service für Lkw-Werbung. Sein Durchbruch gelang ihm mit dem Wechselbrückengeschäft.


Spezialisiert auf den Linienverkehr.

Hörndl Transporte spezialisierte sich auf den Linienverkehr zwischen den Distributionszentren der großen Paketdienste. „Mir hat die Idee gefallen, mit meinen Fahrzeugen flexibel zu sein. Wir sind dann zu einem reinen Frachter geworden.“ Er nutzte die Chancen der Märkte in den neuen Ländern und des wachsenden E-Commerce. Hubert Hörndl brachte das Unternehmen Schritt für Schritt auf ein anderes Level. Heute sind seine Lkw für namhafte Paketdienste wie DPD, UPS und GLS im Einsatz. Nicht zu vergessen die Kunden aus der Automobil-, Getränke- und Lebensmittelindustrie. „Wir können flexibel auf die unterschiedlichen Anforderungen der Paketdienste reagieren. Das zeichnet uns aus. Jeder Kunde hat sich etwa auf eine Aufnahmehöhe seiner Wechselbrücken festgelegt. Wir können mit allen Höhen arbeiten – und das können nicht viele.“ Seine 216 Lkw fahren heute in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und die Beneluxstaaten. „Man kann aber nicht sagen, dass es stetig bergauf ging, wir haben auch schwierige Zeiten hinter uns.“

Wie schnell ein Frachtunternehmen wie seines in wirtschaftliche Schräglage geraten kann, weiß er nur zu gut. 2,8 Millionen mautpflichtige Kilometer fährt die Hörndl-Flotte im Jahr. „Wenn man dann mit seinen Fahrzeugen in die falsche Mautklasse kommt – dann war’s das.“ Auch wegen der strenger werdenden Emmissionsrichtlinien setzt er auf einen modernen Fuhrpark. „Gerade im Linienverkehr ist der Actros absolut passend.“ Die Wirtschaftlichkeit der Fahrzeuge ist für Hubert Hörndl ein wesentlicher Faktor für den Erfolg. „Damit wir 100 Prozent aus den Fahrzeugen herausholen, setzen wir Fahrertrainer ein, die die neuen Fahrzeugsysteme vermitteln, und arbeiten mit FleetBoard.“


Der Paketbote für die Paketboten. Die Hörndl Transporte GmbH sichert mit ihrer Flotte die Logistik aller großen Paketdienste.
Der Paketbote für die Paketboten. Die Hörndl Transporte GmbH sichert mit ihrer Flotte die Logistik aller großen Paketdienste.
Im Fernverkehr zu Hause. Die Lkw von Hörndl sind in Deutschland und Europa unterwegs.
Im Fernverkehr zu Hause. Die Lkw von Hörndl sind in Deutschland und Europa unterwegs.
In dritter Generation. Nach dem Tod seines Vaters wechselte Hubert Hörndl mit 19 Jahren in das damals noch kleine Familienunternehmen.
In dritter Generation. Nach dem Tod seines Vaters wechselte Hubert Hörndl mit 19 Jahren in das damals noch kleine Familienunternehmen.

Vom Autoreifen bis zum USB-Stick.

Hubert Hörndl hat sich ausnahmsweise selbst ans Steuer des Actros gesetzt. Mit zwei Wechselbrücken fährt er eine Tour zum Paketdienst GLS nach Erding. Transportiert wird in den Wechselbrücken alles, was der Verbraucher im Paket bestellt – vom Autoreifen bis zum USB-Stick. Hörndl Transporte bringt die Pakete von hier zu den anderen Distributionszentren des Diensts. Die Touren führen etwa von Erding nach Niederaula in Hessen und wieder zurück nach Erding. Andere Touren verbinden beispielweise Hannover und Frankfurt am Main. Ein Gliederzug mit zwei Wechselbrücken transportiert etwa 1.200 Pakete.

Der Geschäftsführer genießt den Ausflug weg vom Schreibtischstuhl auf den Fahrersitz. „Ich fahre immer, wenn mein Sohn Schulferien hat. Dann sind wir beide zusammen auf Tour. Ich will wissen, welche Anforderungen an die Fahrer realistisch sind. Ich weiß etwa, wie schwierig es ist, wenn man ab 19 Uhr einen Parkplatz finden muss, damit man seine Ruhezeiten einhalten kann.“ Hubert Hörndl weiß allerdings auch, dass er den Fahrern mehr bieten muss als Kenntnisse über ihren Beruf. „Die Arbeitnehmer haben hier im Umkreis von München große Auswahl. Personal zu finden ist eine Herausforderung für uns.“ Das Unternehmen bietet Vorzüge wie eine Altersvorsorge und die Kostenübernahme von Führerscheinen. „Fahrern, die nicht aus der Region kommen, stellen wir Wohnung oder Zimmer zur Verfügung.“

Hubert Hörndl parkt den Actros wieder auf dem Hof des Unternehmens, geht ins Firmengebäude und hängt den Lkw-Schlüssel zurück. Dann verschwindet er zwischen den Disponenten. Er ist wieder mittendrin.

www.hoerndl.de

Fotos: Bernhard Huber


Zentimetergenaues Rangieren.

Für „Mercedes-Benz Transport“ setzt sich Hubert Hörndl selbst hinter das Lenkrad eines Actros. Mit dem Gliederzug ging es nach Erding, wo er auf dem Gelände des Kunden GLS die Aufnahme der Ladungsträger demonstrierte. Zentimetergenau muss das Chassis unter die Wechselbrücke rangiert werden. Dass es auf Anhieb klappte – auch dank dem Rangier-Modus von Mercedes PowerShift 3 –, überraschte den Geschäftsführer selbst, schließlich verbringt er die meiste Zeit im Büro.