Kutschenfahrer und Automobillogistiker: Christoph Sandmann

Panorama

Kutschenkutscher.

Christoph Sandmann gehört zur Weltspitze im Vierspänner – der Formel 1 des Fahrsports. Gleichzeitig führt er Sandmann Transporte, Spezialist für Automobillogistik. Die Zugpferde seines Firmenfuhrparks heißen Actros und Atego.

Enge Nummer. Sandmann und sein Team jagen durch den anspruchsvollen Parcours.

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert schon bekommt Christoph Sandmann Beruf und Hobby erfolgreich unter einen Hut – oder in diesem Fall: unter einen eleganten Zylinder. Denn der 49-Jährige aus Lähden im niedersächsischen Emsland hält nicht nur als Geschäftsführer von Sandmann Transporte die Zügel fest in der Hand, sondern ist gleichzeitig auch zweifacher Mannschaftsweltmeister sowie achtfacher Deutscher Meister im anspruchsvollen Vierspänner-Fahrsport.

Die Leidenschaft dafür liegt bei Sandmanns in der Familie: „Bereits mein Vater nahm mit seiner Kutsche an Turnieren teil. Mit 15 packte mich der Virus für den Fahrsport, und mit 18 ging ich das erste Mal bei Wettkämpfen an den Start. Nach vielen eigenen Teilnahmen an Welt- und Europameisterschaften bin ich stolz, dass meine Tochter Anna den Sport erfolgreich fortführt“, sagt Christoph Sandmann.

Fahrsport ist vielseitig. Ein Wettkampf besteht aus drei Teildisziplinen: der Dressur, der Geländeprüfung – auch Marathon genannt – und dem Hindernisfahren zwischen einzelnen Kegelpaaren. Um einen Platz auf dem Treppchen zu ergattern, müssen die Leistungen in allen drei Prüfungen überragend sein. Daher besteht die Weltspitze fast ausnahmslos aus Vollzeitprofis. Christoph Sandmann, der den zeit- und kostenintensiven Sport nur als Hobby betreibt, gehört da zu den Ausnahmen. „Die Anforderungen an Mensch und Tier sind sehr hoch und wachsen stetig. Besonders der Vierspänner ist heute bereits so etwas wie die Formel 1 des Fahrsports“, erklärt Sandmann. „Es kommt auf höchste Präzision, die Kraft und Ausdauer der Pferde, exzellentes Material und auf gegenseitiges Vertrauen an. Außerdem ganz wichtig: Fahrsport ist immer ein Teamsport!“



Wenn es zu nationalen oder internationalen Wettkämpfen geht, dann reist Sandmann mit großem Gepäck: Mindestens zwei Kutschen – eine für die Dressur, eine für den Marathon – und bis zu fünf Pferde müssen bewegt werden. „Eingespannt werden nur vier. Das internationale Reglement erlaubt aber fünf Pferde einzusetzen. So kann man auch mal ein besonderes Talent für die Geländeprüfung einwechseln“, erläutert der 49-Jährige. Dazu kommen Futter, Kutschenzubehör, Geschirre und natürlich alles für die Bedürfnisse der zweibeinigen Teammitglieder.

Die Lösung des Logistikproblems ist ein Actros 2541 L 6×2 Baujahr 2007. Sein Aufbau stammt von Müller, dem Experten für Pferdetransporter und Anhänger aus dem bayerischen Zeitlofs. Er bietet neben einem komfortablen Wohnbereich für bis zu sechs Personen auch Platz für bis zu sechs Pferde. Dank der Telligent-Wankregelung des Actros reisen die Vierbeiner deutlich entspannter als in einem Hänger – der ist bei Sandmann für die Kutschen reserviert.



Um sich in der Weltspitze des Fahrsports sprichwörtlich festzubeißen, ist hartes Training unerlässlich. Der zweifache Mannschaftsweltmeister erklärt: „Unser Fahrsport-Übungsgelände grenzt direkt an das Firmengelände. So kann ich mehrmals am Tag ein bis zwei Stunden auf dem Kutschbock sitzen. Und erst kürzlich fanden hier vor großem Publikum die Deutschen Meisterschaften statt.“

Mehr durch Zufall hat es Sandmann nach seiner Ausbildung zum Bürokaufmann und der anschließenden Fachhochschulreife 1992 ins Logistikgeschäft verschlagen: „Ich bin durch einen Bekannten günstig an einen Lkw gekommen und zunächst als selbst fahrender Unternehmer für ein renommiertes Logistikunternehmen in der Stückgutverteilung tätig gewesen. Daraus hat sich in knapp 25 Jahren Sandmann Transporte entwickelt.“ Heute ist das Unternehmen Spezialist für anspruchsvolle Automobillogistik. Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit: der Transport von leichten Nutzfahrzeugen, Pkw, Landmaschinen und – wie sollte es auch anders sein – Pferdeanhängern.


Im vorigen Geschäftsjahr erwirtschaftete Sandmann mit seinen 230 Mitarbeitern rund 35 Millionen Euro Umsatz und beförderte mehr als 50 000 Fahrzeuge. Der Fuhrpark umfasst insgesamt 155 Trucks – alle Zugpferde ziert der Stern. „Der Atego ist aufgrund seiner Wirtschaftlichkeit für uns besonders interessant, der Actros hingegen wegen seiner höheren Nutzlast“, erklärt der Geschäftsführer. Sandmann nutzt für seine Transporte überwiegend einen Spezialaufbau mit hohem Ladefaktor für leichte Nutzfahrzeuge von FVG aus Wildeshausen. Da es sich bei den Aufbauten um Plateauzüge handelt, bleibt das Unternehmen flexibel und ist weiterhin in der Lage, Landmaschinen, Wohnmobile und Anhänger zu transportieren. Für den Transport von Pkw nutzt Sandmann klassische Aufbauten von Kässbohrer.



„All unsere Mercedes-Benz Trucks sind mit der kompletten Palette an Sicherheits- und Fahr-Assistenzsystemen ausgestattet“, sagt Firmenlenker Christoph Sandmann. „Die Herausforderungen im Logistikbereich werden täglich größer. Da ist es gut, wenn man sich über Sicherheit und Qualität im eigenen Stall keine Gedanken machen muss.“

Fotos: Christoph Börries