Swift Group: Mit dem Actros durch Kuala Lumpur

Wirtschaft & Logistik

Big in Malaysia.

Dank kluger Investitionen in Bildung und Infrastruktur floriert Malaysias Wirtschaft. Seit 2011 wächst sie um bis zu sechs Prozent pro Jahr. Vom Boom profitiert auch der am schnellsten wachsende Logistiker des Landes: die Swift Group.


Wer als Mittdreißiger durch die Innenstadt von Kuala Lumpur schlendert, der kommt sich rasch alt vor. Das liegt nicht an der erdrückenden Schwüle bei Temperaturen weit jenseits der 30-Grad-Marke, sondern an den Gesichtern der Menschen rundum. Malaysia ist ein sehr junges Land. Etwa ein Drittel der rund 31 Millionen Einwohner ist nicht älter als 15 Jahre. Der südostasiatische Staat hat sich erfolgreich vom Rohstofflieferanten zum diversifizierten Industriestandort entwickelt. Aufgrund gesunkener Weltmarktpreise tragen die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft zwar noch maßgeblich, aber eben nicht mehr dominierend zum Staatshaushalt Malaysias bei. Mehr als 75 Prozent der Bevölkerung lebt in Städten. Rund ein Viertel der Staatsausgaben fließt in Schulen und Universitäten. Die Regierung investiert darüber hinaus massiv in den Ausbau von Straßen, Häfen und Schienen. Mit Erfolg: Durch die Investitionen floriert Malaysias Wirtschaft. Sie wächst seit 2011 um bis zu sechs Prozent pro Jahr. Gute Bedingungen also für die Logistik. Das freut auch Loo Hooi Keat.



Der 62-jährige Unternehmer, dessen Eltern vor rund 65 Jahren aus China nach Malaysia einwanderten, führt die Swift Group. „Wir sind der am schnellsten wachsende Logistikdienstleister in Malaysia“, sagt der erfahrene Firmenlenker und Investor, der seit 1996 auch das in Hannover gegründete Traditionsunternehmen Pelikan führt. „Die Swift Group ist neben dem klassischen Speditionsgeschäft mit grenzüberschreitenden Verkehren auch in der Projekt- und Kontraktlogistik sowie dem Warenhausmanagement aktiv.“


„In Europa sind viele Firmen institu­tionell organisiert, in Malaysia werden hingegen Gründer und eigenes ­Unternehmertum sehr stark gefördert. Das befeuert unser Wachstum enorm.“

Loo Hooi Keat, CEO Swift Group, Port Klang, Malaysia


Megacity. Kuala Lumpur steht niemals still. Zahlreiche Infrastrukturprojekte, wie der Ausbau von Straßen und öffentlichem Personennahverkehr, prägen das Stadtbild.

Binnen vier Jahren die Nummer eins.

Seit 2015 ist das Unternehmen, gemessen an der bewegten Tonnage, der größte Spediteur in Port Klang, dem bedeutendsten Seehafen Malaysias, rund eine Autostunde westlich der Hauptstadt Kuala Lumpur an der Straße von Malakka gelegen. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die Firmenzentrale von Swift. 2011 gegründet, beschäftigt die Gruppe heute 2.000 Mitarbeiter und betreibt eine Flotte von mehr als 550 Trucks – 250 davon tragen den Stern. 2016 bewegte Swift rund 278.000 TEU.

Die Logistikexperten fahren vornehmlich für Kunden in Malaysia, Singapur und Thailand. „Für die Zukunft planen wir eine deutliche regionale Expansion, beispielsweise nach Vietnam, Laos, Kambodscha, Myanmar und China“, sagt Loo Hooi Keat. Um die Angebotspalette abzurunden, bietet Swift demnächst auch Spezialtransporte, etwa für die Öl- und Gasindustrie, an.


„Wir sind ein multiethnisches Land der Vielfalt und Kontraste“, erklärt Loo. „Die malaysische Kultur unterscheidet sich sehr stark von der europäischen – nicht nur, was die Küche anbetrifft, sondern insbesondere wenn man sich die Akteure in der Wirtschaft genauer anschaut. In Europa sind viele Firmen eher institutionell organisiert, hier in Malaysia werden hingegen Gründer und eigenes Unternehmertum sehr stark gefördert. Das befeuert unser Wachstum enorm.“ Malaysia bietet ein wirtschaftlich attraktives Umfeld, Rechtssicherheit und gut ausgebildete Arbeitskräfte – auch wenn diese bei einer Arbeitslosenquote von rund drei Prozent mittlerweile an vielen Orten knapp geworden sind. Weitere Standortvorteile sind die weit verbreiteten Englischkenntnisse und die gut ausgebaute Infrastruktur.


Erfahrener Geschäftsmann. Loo Hooi Keat führt nicht nur die Swift Group. Seit 1996 lenkt er auch die Geschicke der Schreibwaren-Traditionsmarke Pelikan.

Erfolgreicher Umbau der Wirtschaft.

Resultat des Umbaus der malaysischen Wirtschaft ist die Etablierung einer relativ starken Mittelschicht. Nach Singapur und Brunei verfügt das Land über das höchste Wohlstands- und Entwicklungsniveau im südostasiatischen Raum. Nur noch zwölf Prozent der Beschäftigung entfällt auf den land- und forstwirtschaftlichen Bereich. Im Schwerpunkt produziert die Industrie Malaysias elektronische Güter, wie zum Beispiel Mikrochips und Solarzellen. Der größte Anteil der Beschäftigung entfällt inzwischen mit rund 60 Prozent auf den Dienstleistungsbereich. Allein in diesem Sektor wurden 2014 mehr als 80 Prozent des Netto-Beschäftigungswachstums geschaffen.

„In unserem Geschäft verändern sich die Rahmenbedingungen rasend schnell – insbesondere, was das Thema technologischer Fortschritt angeht. Das heißt, wir müssen stets am Ball bleiben“, sagt Loo Hooi Keat. „Früher konnte man einen Truck 10 oder 20 Jahre betreiben und erfolgreich sein. Man musste allerdings auch viel Geld in Wartung und Pflege stecken. Häufige Ölwechsel und hoher Bremsenverschleiß waren an der Tagesordnung. Mit den aktuellen Fahrzeugen und deren wirtschaftlichen Serviceintervallen sparen wir bares Geld. Dennoch tauschen wir die Fahrzeuge alle vier bis fünf Jahre aus. Das liegt in erster Linie an den gestiegenen Anforderungen unserer Kunden, aber auch an den sich stetig verändernden rechtlichen Rahmenbedingungen – zum Beispiel in puncto Abgasemissionen.“



Den Wandel gestalten.

Der Großteil der derzeit rund 250 Mercedes-Benz Trucks im Fuhrpark von Swift besteht aus Actros 2644 Zugmaschinen der älteren Baureihe. Sie bilden die größte Flotte von Mercedes-Benz Trucks in ganz Malaysia. Weitere 32 Einheiten befinden sich bereits im Zulauf. „Wandel ist niemals einfach“, erklärt Loo Hooi Keat. „Aber mit dem richtigen Partner muss man davor keine Angst haben. Mercedes-Benz Trucks ist hier in der Region exzellent aufgestellt. Die Trucks zeichnen Qualität und Zuverlässigkeit aus. Und wenn wir doch einmal ein Problem haben, dann sind binnen kürzester Zeit Techniker hier und nehmen sich der Sache an. Vor allem diese enge Zusammenarbeit, die proaktive Art und Weise, mit der ich als Kunde in die Verbesserung und Weiterentwicklung der Trucks mit einbezogen werde, empfinde ich als einzigartig.“



Fotos & Video: Alexander Tempel

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